Juncker rät EU zu Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Strafzölle
Der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker rät der EU, schon jetzt Vergeltungsmaßnahmen gegen mögliche Strafzölle der nächsten US-Regierung von Donald Trump vorzubereiten. "Sollte Trump den Fehler begehen, überhöhte Zölle zu verhängen, muss man bereit sein, auf ähnliche Art zu reagieren", sagte Juncker dem "Spiegel".
"Dennoch sollte man alles tun, um diesen aufkommenden Handelskrieg im Keim zu ersticken."
Trump
hatte im Wahlkampf wiederholt damit gedroht, Importe aus der EU künftig
mit Zöllen von zehn bis 20 Prozent zu belegen. Die Folgen insbesondere
für die stark exportabhängige deutsche Wirtschaft wären nach Ansicht von
Fachleuten gravierend.
Juncker, der die EU-Kommission von 2014
bis 2019 führte, geht davon aus, dass die Brüsseler Behörde unter
Präsidentin Ursula von der Leyen ähnliche Vergeltungsmaßnahmen
vorbereitet wie jene, die er 2018 eingesetzt hat. Als die USA seinerzeit
Aluminium- und Stahleinfuhren aus der EU mit Zöllen belegten, reagierte
Junckers Kommission mit Gegenzöllen unter anderem auf Motorräder,
Jeans, Whiskey und Erdnussbutter aus den USA.
Diese Zölle "trafen
US-Staaten, in denen Trump dringend eine Mehrheit brauchte für seine
Wiederwahl", so Juncker. "Das hat ihn sehr getroffen." Die Zölle wurden
2022 ausgesetzt, dieser Zustand endet allerdings am 31. März 2025. Wird
bis dahin nicht über eine Verlängerung entschieden, treten die Zölle
wieder in Kraft.
Juncker hält es für wahrscheinlich, dass Trump
die Europäer mit ihrer Abhängigkeit vom militärischen Beistand der USA
erpressen wird, die seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine
deutlicher denn je ist. "Natürlich wird Trump versuchen, die
unterschiedlichen Positionen in der EU zur Ukraine zu seinem Vorteil zu
nutzen", so Juncker. "Ich kann nur hoffen, dass die Europäer vernünftig
genug sein werden, sich in dieser Frage nicht auseinanderdividieren zu
lassen."
Quelle: dts Nachrichtenagentur