Oberster Verbraucherschützer hofft auf zweites "Brexit"-Referendum
Archivmeldung vom 18.08.2016
Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 18.08.2016 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.
Freigeschaltet durch André OttDer Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, hat die Hoffnung geäußert, dass die Briten möglicherweise erneut über einen Verbleib in der Europäischen Union abstimmen.
"In der Brexit-Kampagne hat es, wie jetzt nach und nach bekannt wird, so viele widersprüchliche, irreführende und auch falsche Aussagen gegeben, dass es vielleicht klug wäre, das britische Volk ein zweites Mal zu fragen, nach dem die neue britische Regierung zuvor die Bedingungen für eine Zusammenarbeit mit der EU ausgehandelt hat", sagte Müller dem "Handelsblatt". "Dann wüssten alle, worüber sie abstimmen."
Den zunehmenden Einfluss populistischer Parteien in Europa sieht Müller vor diesem Hintergrund mit großer Sorge. Zwar seien derzeit keine regierungsgestützten EU-Referenden wie in Großbritannien in Sicht. "Das bedeutet aber keine Entwarnung. Denn wir stehen ja auch vor etlichen Wahlen", sagte der VZBV-Chef. Und hier sei für manche Parteien die Rückkehr zum Nationalstaat ein ganz konkretes politisches Ziel. "Ich halte das für ein gefährliches Spiel", warnte Müller.
"Europa bietet so viele Vorteile an preislicher Entwicklung, an Vereinfachung und Sicherheit für Verbraucher das sollte man nicht einfach so infrage stellen." Der Brexit sollte aus Müllers Sicht daher ein "Weckruf" für alle EU-Mitglieder sein, einmal inne zu halten. "Allen sollte klar sein: Die immer weitergehende Integration und Ausdehnung Europas ist kein Automatismus", sagte er.
"Alle Mitgliedstaaten der EU sollten genau prüfen, wie die Stimmungslage in der Bevölkerung ist und nicht, wie im Falle Großbritanniens, der falschen Hoffnung aufsitzen, dass schon alles gut gehen werde. Denn sonst wacht man am nächsten Tag mit einem mächtigen Kater auf."
Quelle: dts Nachrichtenagentur