Handelsökonom Felbermayr rät zu Exportsteuern gegen Trump
Gabriel Felbermayr, Chef des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo), rät der EU zu speziellen Exportsteuern gegen die Zölle Donald Trumps. Um die angekündigte US-Offensive bei Halbleitern zu starten, benötige der US-Präsident moderne Chipmaschinen, die derzeit nahezu ausschließlich in Europa produziert werden.
"Wie wäre es also, wenn die EU Trump mit Exportsteuern auf diese
Maschinen droht", sagte Felbermayr dem "Spiegel" am Donnerstag. So
könnte sich Brüssel zusätzliche Einnahmen verschaffen und den USA
zugleich "vor Augen führen, wie dünn die Argumente ihres Präsidenten
sind".
Zugleich warnte der Handelsexperte davor, bei der Antwort
auf Washington zu überziehen. "Mit absolut gleicher Münze
zurückzuzahlen, wäre nicht sinnvoll", sagte er. "Dadurch würde sich
Europa selbst mehr schaden als den USA." Stattdessen müsse die EU
versuchen, die USA mit Maßnahmen zu überraschen, die sie nicht auf dem
Zettel haben.
Der Chef des Wifo-Instituts hält es für
wahrscheinlich, dass die Zölle gravierende Verwerfungen in der
Weltwirtschaft auslösen werden. "Was Trump verkündet hat, ist der größte
zollpolitische Schock für die Weltökonomie der letzten 100 Jahre",
sagte Felbermayr. "Ich gehe davon aus, dass die Produktion in den
Vereinigten Staaten durch die Zölle um bis zu zwei Prozent zurückgehen
wird." Das könne das erwartete US-Wirtschaftswachstum in diesem Jahr
weitgehend ausradieren.
Für Deutschland erwartete der Ökonom
einen Produktionseinbruch von etwa 0,5 Prozentpunkten. "Die Gefahr, dass
Deutschland ein weiteres Rezessionsjahr erlebt, ist damit deutlich
gewachsen", sagte Felbermayr.
Quelle: dts Nachrichtenagentur