Antonia Rados traf gestern Susanne Osthoff zu einem ersten umfangreichen Gespräch im Nahen Osten
Archivmeldung vom 05.01.2006
Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 05.01.2006 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.
Freigeschaltet durch Thorsten SchmittSusanne Osthoff kontaktierte die RTL-Korrespondentin Antonia Rados und führte mit ihr ein mehrstündiges Gespräch zu Tätern und Hintergründen ihres Kidnappings.
Susanne Osthoff zu ihrer aktuellen Situation:
"Ich bin ein Opfer dieses Verbrechens. Natürlich habe ich
Todesängste und natürlich geht das nicht weg. In der Zwischenzeit bin
ich in vier verschiedenen Ländern gewesen. Seit ich Bagdad verlassen
habe, wechsele ich ständig den Standort. Ich kann nachts immer noch
nicht schlafen, kann wenig essen. Man hat Angst, geht nicht raus,
wenn es nicht unbedingt sein muss. (...). Es kommt eine Angst vor
jedem Menschen. Wenn ich mit dem Taxi fahren muss, habe ich Angst.
Ich schau dann nach hinten und erinnere mich, wie ich gefasst wurde."
Osthoff zur Entführung:
"Das Schlimmste war der Freiheitsentzug. Es ging derartig schnell,
dass man in dem Moment nichts mehr merkt. Wir wurden von einem Wagen
abgedrängt. Ich war schon öfter in kritischen Situationen, denn ich
bin immer ungeschützt. Das war mir auch klar."
(...) "Das Schlimmste ist das Gefühl nichts zu wissen, das Warten auf
den Tod.
Wenn Sie dann teilweise gefesselt sind und wenn Sie in einem
Kofferraum transportiert werden und keine Luft mehr kriegen und nicht
wissen, wohin die Fahrt geht."
Susanne Osthoff über ihre Familie:
"Natürlich kann ich mich angesichts meiner Situation nicht all zu
sehr mit emotionalen Dingen abgeben. Sie haben es gut gemeint und das
werde ich später klären. Sie haben mich jahrelang nicht gesehen und
sind einfach froh, dass ich am Leben bin."
Osthoff ergänzte, dass sie ihr Kind bis heute noch nicht
wiedergesehen habe.
Zu ihren Entführern:
"Die Kidnapper haben die deutsche Bundeskanzlerin als Frau Angela
bezeichnet. Den Familiennamen kannten sie nicht. Einer von Ihnen
konnte Englisch. Sie trugen Anzüge und Krawatten. Ich wurde sogar an
irakischen Polizeikontrollen vorbei entführt. Die Entführer wussten
alles über mich. Sie nannten mich Miss Susanne.
Jeden zweiten Tag wurde ich in ein anderes Versteck gebracht.
Ich wurde beschuldigt eine jüdische Geheimdienstoffizierin zu sein.
Sie sagten, dass sie eine politische Gruppe seien und dass die
deutsche Regierung den Kontakt mit der irakischen abbrechen solle.
Sie seien der Widerstand und von der Gruppe Al-Sakhawi. Eine streng
fundamentalistisch orientierte Gruppe, deren Scheich Osama bin Laden
sei."
Osthoff habe ferner gehört, dass die Kidnapper humanitäre
Zugeständnisse der deutschen Behörden gefordert hätten. Sonnitische
Zivilisten sollten in Deutschland medizinisch behandelt werden. Ob
das genau stimme, könne sie aber nicht sagen.
Sicher sei sie sich dagegen, dass sie nicht von ihrem Fahrer verraten
worden sei. Er wurde selbst während Geiselhaft geschlagen. Über
seinen Verbleib wisse sie nichts.
Warum sie in ihrem deutschen TV-Interview verhüllt erschienen sei,
begründete sie wie folgt:
"Ich wohnte bei einer privaten Familie, wo Frauen verschleiert sind.
Ich bin kurz vor dem Interview in Hektik dann in diese Kleidung
geschlüpft, damit wir überhaupt noch pünktlich in das Studio kommen
konnten. Es sind dort überall Sicherheitssperren. Ich war selbst
nicht begeistert darüber. Ich wollte aber in jedem Fall Herrn
Schröder danken."
(...) "Ich wusste ich würde sowieso völlig zerrissen, deshalb hatte
ich auch nur vor, den Menschen zu würdigen, der mir von Deutschland
aus am meisten geholfen hatte. Das war der Altbundeskanzler
Schröder."
Zum Umgang mit der Öffentlichkeit erläuterte Osthoff, dass sie
sich auf Anraten der deutschen Botschaft in Bagdad in den ersten
Tagen nicht der Presse zeigen sollte.
Osthoff negierte, dass sie leichtsinnig gewesen sei:
"Das ist nicht der Fall. Ich wollte am 10. Dezember das Land
verlassen und bin auf dieser letzten Fahrt entführt worden."
Sie schließe nicht aus, dass sie nach Deutschland zurückkehre.
Quelle: Pressemitteilung "RTL-Nachtjournal"