Knaus sieht nach Assad-Sturz Chance auf Wendepunkt in Asylpolitik
Archivmeldung vom 09.12.2024
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Freigeschaltet durch Sanjo BabićDer Migrationsforscher Gerald Knaus sieht nach dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien die Chance auf Entspannung in der Flüchtlingskrise. "Mittelfristig - sollte Stabilität hergestellt werden - könnte das für die gesamte Flüchtlingssituation, auch in Europa, ein historischer Wendepunkt sein", sagte Knaus dem "Stern".
Syrische Flüchtlinge in den Nachbarländern hätten sofort die Chance zu
sehen, ob es in ihrer Heimat wieder sicher ist. "Ist das so, werden auch
Asylanträge in Deutschland und anderen europäischen Ländern
zurückgehen."
Nach Ansicht von Knaus könnten sich die
Entwicklungen in Syrien auch auf die hiesige Politik auswirken. "Wenn
sich Syrien stabilisiert, könnte das auch unsere Politik dramatisch und
positiv verändern", sagte er. "Sollte sich die Zahl syrischer
Asylanträge 2025 schnell verringern, würde extrem gefährlichen Kräften
das Wasser abgegraben - der AfD hierzulande, der FPÖ in Österreich."
Deswegen müsse das Thema der Stabilisierung Syriens absoluten Vorrang
haben, auch was die außenpolitischen Anstrengungen angehe.
Knaus
forderte die Bundesregierung auf, die sofortige Einrichtung einer
Kontaktgruppe zu erwirken. "Es braucht eine Kontaktgruppe von
unmittelbar betroffenen Ländern. Jordanien müsste dabei sein, die
Türkei, Österreich, Griechenland, Deutschland, die EU und die nächste
syrische Regierung." Diese Gruppe müsse eine Strategie entwerfen, die EU
sie unterstützen. "Auch aus Eigeninteresse. In den letzten zwei Jahren
haben 80 Prozent der Syrer in der EU Schutz in Deutschland und
Österreich bekommen."
Quelle: dts Nachrichtenagentur