Ex-BAMF-Chef Weise: "Fall Amri wäre vermeidbar gewesen"
Archivmeldung vom 09.06.2018
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Freigeschaltet durch André OttDer Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt hätte nach Ansicht des früheren BAMF-Chefs Frank-Jürgen Weise verhindert werden können. "Der Fall Anis Amri wäre vermeidbar gewesen, das muss man ganz klar sagen", sagte Weise der "Bild" (Samstagausgabe). "14 Mal war er bei Ausländerbehörden gemeldet. Das wäre mit unseren später durch die Berater initiierten und aufgebauten Assistenzsystemen sofort aufgefallen."
Seine Maßnahmen im BAMF zielten darauf, Wartezeiten der Flüchtlinge zu verkürzen, dabei aber die Prüfungsqualität beizubehalten. Die Parole "Im Zweifel Asyl anzuerkennen" habe er nie herausgegeben, so Weise. "Wer das sagt, der lügt", zitiert "Bild" den ehemaligen BAMF-Chef. Über Millionen-Aufträge an Beraterfirmen sagt Weise: "Unter dem Strich haben wir durch die Prozessverbesserungen Millionenbeträge eingespart und Zeiten der Unsicherheit für Flüchtlingsfamilien deutlich verkürzt." Weise spricht sich bei "Bild" gegen eine Auflösung des BAMF aus. "Für eine Zerschlagung hat Frau Merkel keinen Anlass. Jedoch sollte man die Mitarbeiter rauswerfen, die Verbesserungen blockieren. Da ist eine Behörde, wie eine Apfelkiste. Ein fauler Apfel lässt alle anderen Äpfel schlecht werden." Weise spürte während seiner Amtszeit heftige Gegenwehr aus den Landesregierungen.
"Auch einzelne Länder-Innenminister haben mich nicht unterstützt, sondern beim Thema Migration Oppositionsarbeit zur Bundesregierung gemacht. Zu diesen Politikern habe ich den Kontakt abgebrochen." Bei Übernahme des Amtes habe Weise "zigtausend Reisepässe chaotisch in gelben Postkisten" in den Kellern des BAMF vorgefunden, sagte er zu "Bild". Personalvertreter nannte er gegenüber "Bild" "böse Geister", die bei der Einstellung und Abordnung von Beschäftigten aus anderen Behörden schwer gestört hätten.
Quelle: dts Nachrichtenagentur