Menschenrechtler fordern von neuer Regierung mehr Barrierefreiheit
Das Deutsche Institut für Menschenrechte kritisiert, dass auch 16 Jahre nach dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention Menschen mit Behinderungen in Deutschland in nahezu allen Lebensbereichen benachteiligt bleiben.
In einem am Donnerstag veröffentlichten Positionspapier fordert es die
Parteien zu einer stärkeren Berücksichtigung der Belange von Menschen
mit Behinderung bei den anstehenden Koalitionsgesprächen auf.
"Wir
brauchen in der nächsten Legislaturperiode eine starke Sozialpolitik,
die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Die neue Bundesregierung
muss sich uneingeschränkt zum Prinzip der Inklusion und zur
Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen bekennen", so Britta
Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention
des Instituts. "Dazu gehört eine aktive und engagierte Politik, die die
Rechte von Menschen mit Behinderungen und ihre Gleichstellung in den
Fokus rückt."
Zu den von den Menschenrechtlern geforderten
Reformen gehören unter anderem die Barrierefreiheit als zwingendes
Kriterium bei der Vergabe öffentlicher Fördergelder, der Ausbau von
barrierefreien Arbeitsstätten und eine bessere Förderung von jungen
Menschen mit Behinderung beim Übergang vom Schul- ins Berufsleben.
Außerdem brauche mehr Möglichkeiten zum selbstbestimmten Wohnen,
insbesondere Angebote für barrierearme Wohnungen.
Auch bei der
oft mangelnden spezifischen Gesundheitsversorgung für Menschen mit
Behinderung, der politischen Selbstvertretung und der Unterstützung von
Familien sehen die Aktivisten Nachholbedarf.
In Deutschland leben
aktuell rund 13 Millionen Menschen mit einer oder mehreren
Behinderungen. Mit der Ratifizierung des Übereinkommens über die Rechte
von Menschen mit Behinderungen der UN 2006 hat sich Deutschland
verpflichtet, ihre gesellschaftliche Inklusion zu gewährleisten. Dazu
zählen insbesondere die Ermöglichung der gleichberechtigten,
selbstbestimmten Teilnahme am öffentlichen, politischen und
Arbeitsleben, eine integrative Bildung sowie die Sicherstellung der
Gesundheitsversorgung.
Quelle: dts Nachrichtenagentur