Wirtschaftsweise Malmendier drängt auf großes Investitionspaket
Die Ökonomin Ulrike Malmendier fordert von der nächsten Bundesregierung ein riesiges Investitionspaket für Infrastruktur, Bildung, den grünen Umbau der Wirtschaft sowie die massive Aufrüstung der Bundeswehr. Es müsse jetzt "wirklich alles auf einmal geschehen", sagte die Wirtschaftsweise dem "Spiegel".
"Und das klingt so gewaltig, wie es ist. Deutschland und Europa bleibt
keine andere Chance. Wenn wir nicht endlich unsere Hausaufgaben machen,
droht weitaus Schlimmeres als noch ein Jahr wirtschaftliche Stagnation.
Dann reden wir über wirtschaftlichen Abstieg."
Drei Dinge, so
Malmendier, müssten jetzt schnell geschehen: Die Wirtschaftsunion der EU
müsse "nun endlich" vollendet werden, inklusive eines harmonisierten
Binnenmarkts mit einheitlichen Normen und eines echten europäischen
Kapitalmarkts. "Nur als gemeinsamer großer Markt können die europäischen
Länder Anschluss an das Wachstum der USA schaffen", so Malmendier.
Zweitens brauche es langfristig orientierte Investitionen, "einen großen
Fonds für Infrastruktur und verbindliche Mindestausgaben für Bildung",
so die Forscherin. "Und drittens müssen alle EU-Staaten wesentlich mehr
in ihre Verteidigung investieren - und das vor allem zusammen
organisieren."
Die an der Universität im kalifornischen Berkeley
lehrende Wirtschaftswissenschaftlerin ist Mitglied des
Sachverständigenrats für Wirtschaft der Bundesregierung, der sogenannten
Wirtschaftsweisen. Deren Vorsitzende Monika Schnitzer hatte sich gerade
öffentlich gegen die geplante Ausweitung des Sondervermögens der
Bundeswehr ausgesprochen. Für Malmendier ist ein solches 200 Milliarden
Euro schweres Militärpaket "nur der Anfang". Die Bundesrepublik werde
dauerhaft deutlich mehr in ihre Verteidigung stecken müssen als zwei
Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
"Wichtiger aber wäre mir, dass
wir das System dahinter EU-weit einheitlich denken", so Malmendier. In
einer gemeinsamen europäischen Aufrüstung liege "eine große
wirtschaftliche Chance, gerade für Deutschland". Schließlich ließe sich
so zeigen, "dass es zusammen in Europa besser geht als allein". Damit,
so ihre Hoffnung, könne die Verteidigungspolitik ein Hebel werden, "um
auch auf anderen Ebenen voranzukommen, bei einem harmonisierten
Kapitalmarkt, einem wirklich grenzenlosen Binnen- und Arbeitsmarkt und
vielleicht sogar einer klug ausgestalteten Bankenunion".
Quelle: dts Nachrichtenagentur