CDU-Justizsenatorin: AfD als gesichert rechtsextrem einstufen
Die Berliner Justizsenatorin und ehemalige Vize-Chefin des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Felor Badenberg (CDU), hält eine Einstufung der AfD als gesichert rechtsextrem für geboten. "Die Entwicklung der Partei in den letzten Jahren spricht aus meiner Sicht für eine Einstufung der Gesamtpartei als 'gesichert rechtsextrem'", sagte Badenberg dem "Stern".
In jedem Fall müsse der Verfassungsschutz bald handeln: "Der
Verfassungsschutz muss prüfen, ob die AfD höher zu stufen ist - oder
aber die Beobachtung beenden." Erst danach dürfe man laut Badenberg
darüber nachdenken, ob es "auch politisch opportun ist" ein
Verbotsfahren gegen die Partei zu initiieren. "Ein Parteiverbot ist zu
komplex für einen Schnellschuss", sagte Badenberg.
Sie hatte beim
Verfassungsschutz selbst an dem Gutachten zur Einstufung der AfD als
extremistischer Verdachtsfall mitgewirkt. Badenberg ergänzte: "Die AfD
ist eine Gefahr für unsere Demokratie, für unsere Gesellschaft." Ein
Verbotsverfahren hätte zum jetzigen Zeitpunkt allerdings zu geringe
Aussichten auf Erfolg.
"Ich bin nicht per se gegen ein
Parteiverbot. Wir dürfen aber keinen aussichtslosen Antrag stellen."
Doch der Staat habe andere Möglichkeiten - die Bundesinnenministerin
Nancy Faeser (SPD) nicht ausreichend genutzt habe. "Es war aus meiner
Sicht ein großer Fehler, dass das Bundesinnenministerium die Junge
Alternative (JA) nicht längst als Verein verboten hat. Jetzt ist es zu
spät", kritisierte Badenberg.
Die JA hatte sich kürzlich
aufgelöst. "Ferner gibt es die Möglichkeit, das Instrument der
Grundrechtsverwirkung auf Funktionäre wie den Thüringer AfD-Chef Björn
Höcke in Betracht zu ziehen", sagte Badenberg. Damit könnte ihm die
Wählbarkeit aberkannt werden. "Ein solches Verfahren hätte schon vor
Jahren initiiert werden können."
Auch über die Verbote einzelner
gesichert rechtsextremer Landesverbände müsse man nachdenken. Badenberg
galt beim Verfassungsschutz als "AfD-Jägerin", vergangenes Jahr ist sie
in die CDU eingetreten.
Die Abstimmung mithilfe von Stimmen der
AfD schmerze sie. "Es schmerzt mich, dass es bei der Abstimmung über den
Entschließungsantrag keine Mehrheit aus der Mitte des Parlaments
gegeben hat", sagte Badenberg. "Alle demokratischen Parteien hätten sich
zusammenreißen müssen." Sie verstehe zwar den Unmut vieler Bürger.
"Aber wir konnten nach diesen bestialischen Taten nicht einfach zur
Tagesordnung übergehen." Lösungen müsse eine nächste Bundesregierung
erarbeiten. "Und zwar ohne die AfD."