Lokaljournalismus unter Druck: BDZV warnt vor wachsender Bedrohung der freien Berichterstattung
Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) ist besorgt: Die freie und unabhängige Berichterstattung steht besonders im Lokaljournalismus unter wachsendem Druck.
Eine aktuelle Studie des European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) offenbart erschreckende Einblicke in die zunehmenden Bedrohungen für lokale Journalistinnen und Journalisten und die Folgen für die Pressefreiheit. Verlage und Sicherheitsbehörden reagieren unter anderem mit Schutzmaßnahmen und Deeskalations-Trainings.
Die qualitative Studie "Lokaljournalismus unter Druck - Sicherheitsempfinden und Bedrohungserfahrungen von Lokaljournalistinnen und Lokaljournalisten in Sachsen und Thüringen" von Patrick Peltz untersucht anhand von 15 Interviews das Sicherheitsempfinden und die Bedrohungserfahrungen von Medienschaffenden in diesen Regionen. Die Aussagen der Betroffenen zeigen: Seit sich die (kommunal-)politische Landschaft zugunsten der extremen Rechten verschoben hat und sowohl Mandatsträger als auch außerparlamentarische Akteure offen medienfeindlich auftreten, hat sich das Klima gegenüber der freien Presse verschärft.
Besonders bei Versammlungen und Veranstaltungen erleben Berichterstatter danach zunehmend Feindseligkeit und offene Aggression bis hin zu körperlicher Gewalt. Beleidigungen und Bedrohungen in sozialen Netzwerken und psychologischer Druck gehören laut Studie zum Alltag. Zwei Drittel der Befragten berichten von Angriffen, die bis zu Gewalt- und Todesdrohungen an der Privatadresse reichen.
Für lokale Journalistinnen und Journalisten, deren Lebens- und Arbeitswelt meist nah beieinander liegen, bedeutet dies eine enorme persönliche Belastung - auch, weil der Hass vor der Haustür oft bis ins Privatleben dringt. Die Studie zeigt ferner, dass diese Bedrohungslage nicht nur das Sicherheitsempfinden der Betroffenen, sondern auch ihre journalistische Arbeit und die Berichterstattung vor Ort negativ beeinflussen können.
Dazu sagt BDZV-Hauptgeschäftsführer Dr. Jörg Eggers. "Wenn Journalistinnen und Journalisten sich nicht mehr trauen, Missstände aufzudecken, weil sie Angriffe fürchten, bedroht dies die freie Presse in Deutschland und damit einen der Grundpfeiler unserer Demokratie. Nachrichtenmedien sind wichtiger Teil der Daseinsvorsorge. Wir müssen jetzt handeln, damit in Ost wie West das Vertrauen in seriöse Nachrichtenquellen wächst und Medienfeindlichkeit nicht zur neuen Normalität wird."
Studienautor Patrick Peltz (ECPMF) ergänzt: "Die Erfahrungen der interviewten Lokaljournalisten aus Sachsen und Thüringen sind besorgniserregend. Doch diese politische Entwicklung ist keineswegs auf Ostdeutschland beschränkt - sie spiegelt eine gesamtgesellschaftliche Rechtsverschiebung wider, die Journalisten und Medien verstärkt zum Ziel politischer Agitation macht. Unsere Langzeitstudie "Feindbild Journalist:in" zeigt, dass sich die Sicherheitslage für Medienschaffende in Deutschland in den letzten Jahren insgesamt verschlechtert hat. Die Unterschiede zwischen den Regionen sind dabei gradueller Natur, nicht grundlegend."
Forderungen an Politik und Gesellschaft
Die qualitativen Daten zeigen, dass Arbeitgeber und Sicherheitsbehörden bereits auf die gestiegene Bedrohungslage reagiert und Schutzmaßnahmen eingeführt haben. Psychologische und juristische Unterstützungsangebote sowie präventive Maßnahmen wie Sicherheits- und Deeskalations-Trainings werden von den meisten Befragten positiv bewertet.
Um lokale Berichterstattung und Pressefreiheit langfristig zu sichern, fordert der BDZV die Politik zu weiteren Maßnahmen auf. Dazu gehören:
BDZV und ECPMF appellieren zugleich an die Gesellschaft, Journalistinnen und Journalisten als wichtige Stütze der Demokratie zu respektieren und zu schützen.
Die gemeinsame Studie ist eine Veröffentlichung im Vorfeld des Internationalen Tags der Pressefreiheit am 3. Mai. Zum dritten Mal wird hier unter wechselnden Schwerpunkten die Arbeitssituation von Lokaljournalistinnen und -journalisten qualitativ untersucht. Parallel liefert die jährliche Studie "Feindbild Journalist:in 9" des ECPMF eine umfassende Auswertung der Bedrohungslage von Medienschaffenden. Sie erscheint am 14. April 2025.
Quelle: BDZV - Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger e.V. (ots)