Israelischer Philosoph Boehm darf nicht bei Buchenwald-Gedenkfeier sprechen wegen Holocaust Relativierung
Die Gedenkstätte Buchenwald hat ihre Bitte an den israelisch-deutschen Philosophen Omri Boehm, bei einer Gedenkfeier am 6. April zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald eine Rede zu halten, wieder zurückgezogen. Dies sei offenbar auf Druck der israelischen Regierung geschehen, berichtet der "Spiegel".
Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätten Buchenwald und
Mittelbau-Dora, bestätigte dem Nachrichtenmagazin den Vorgang auf
Anfrage. Wegen der Einladung Boehms habe sich ein Konflikt zwischen der
Gedenkstätte und Vertretern der israelischen Regierung angebahnt, sagte
Wagner. Er habe die anreisenden Überlebenden davor schützen wollen, in
den Streit hineingezogen und im schlimmsten Fall instrumentalisiert zu
werden.
Boehm, der in New York lehrt, hat unter seinen Vorfahren
selbst Holocaustüberlebende. Seine Bücher und Thesen werden weltweit
wahrgenommen. Die Haltung des Philosophen zur Regierung seiner Heimat
Israel und auch zur dortigen Gedenkkultur ist eine kritische. Zu den
Vorfällen in Weimar wollte er sich nicht äußern.
Die israelische
Botschaft reagierte mit scharfer Kritik an der ursprünglichen Einladung
des Philosophen. "Die Entscheidung, mit Omri Boehm einen Mann
einzuladen, der Yad Vashem als Instrument politischer Manipulation
bezeichnet, den Holocaust relativiert und sogar mit der Nakba verglichen
hat, ist nicht nur empörend, sondern eine eklatante Beleidigung des
Gedenkens an die Opfer", schreibt ein Sprecher auf Anfrage. Der Sprecher
bestätigte auch Gespräche darüber mit der Gedenkstätte: "Wenn das
Andenken an die Ermordeten entstellt und beschmutzt werden soll, werden
wir nicht wegschauen. Diese Position hat die Botschaft auch der
Gedenkstätte Buchenwald übermittelt."
Quelle: dts Nachrichtenagentur