ARD-Chef wendet sich gegen Sparvorgaben der Bundesländer
Der neue ARD-Vorsitzende Florian Hager will Reformen vorantreiben, sieht aber keine Chance für massive kurzfristige Einsparungen. "Strukturen zu verändern, halte ich für die größten Hebel, um Ressourcen zu sparen", sagte Hager der "Welt am Sonntag". Langfristig werde das zu Kosteneinsparungen im öffentlich-rechtlichen System führen.
Kurzfristigen Sparvorgaben von den Bundesländern, die für Medienpolitik
verantwortlich sind, erteilte Hager dagegen eine Absage: "Da sagen wir
ganz klar: Das geht nicht. Bei neun unabhängigen Unternehmen, die
gemeinsam diese ARD bilden, ist das nicht mal eben in einem halben Jahr
umsetzbar."
Hager verteidigte auch die von ARD und ZDF
angestrengte Klage beim Bundesverfassungsgericht, die zu einer Erhöhung
des Rundfunkbeitrags auf 18,94 Euro im Monat führen soll: "Wir klagen,
damit das von der Politik beschlossene Verfahren zur unabhängigen
Festlegung des Rundfunkbeitrags auch eingehalten wird." Die von den
Bundesländern beschlossene Reform werde die ARD nach Beschluss umsetzen,
obwohl damit "deutliche Einschnitte" verbunden seien.
Der
ARD-Vorsitzende fordert zudem einen "Schulterschluss" und eine "ganz
enge Zusammenarbeit von öffentlich-rechtlichen wie von
privatfinanzierten Medienunternehmen". Hager sagte weiter: "Wir dürfen
am Ende nicht in eine Situation kommen wie in den USA, in der die
digitalen Plattformen den öffentlichen Raum zunehmend kontrollieren." Es
gehe um das Ziel "digitaler Souveränität". Größere Unabhängigkeit sei
nur über Kooperationen von Qualitätsmedien im digitalen Raum zu
erreichen.
Für die Zukunft plant Hager, der seit drei Jahren
Intendant des Hessischen Rundfunks (HR) in Frankfurt ist, die rein
digitale Verbreitung von Spartenkanälen wie Arte und 3sat ab 2033: "Wir
können uns dann ganz anders aufstellen, ohne die Senderlogik, sondern
als Plattform für Inhalte." Hager setzt ebenfalls auf die stärkere
Zusammenarbeit mit ZDF und Deutschlandradio. Eine Zusammenlegung von
Sendeanstalten lehnt er dagegen ab.
Quelle: dts Nachrichtenagentur