Neue OZ: Es dämmert zu spät
Archivmeldung vom 19.11.2009
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Freigeschaltet durch Thorsten SchmittAuf den Partner kommt es an. Wie sehr, das werden Bundestag und -regierung, die NATO insgesamt auf dem Weg zu spüren bekommen, den sie in Afghanistan gerade einschlagen. Er soll sie herausführen aus den Händeln dieses Landes und den Präsidenten Hamid Karsai zwingen, das Schicksal der Nation selbst in die Hand zu nehmen.
Was schwer nach Afghanisierung des Afghanistan-Konfliktes klingt. Und deshalb Erinnerungen weckt: An die Vietnamisierung oder an die Tschetschenisierung der jeweiligen Kriege von 1969 beziehungsweise von 2002 an.
Schlechte Erinnerungen: Im ersten Fall überließen die USA ihren Partner, den südvietnamesischen Diktator Nguyen Van Thieu, seinen Feinden. Im zweiten Fall hat sich Russlands Statthalter Ramsan Kadyrow restlos durchgesetzt, letztlich aber auch gegen seine Mentoren in Moskau.
Weltfremd wäre die Erwartung, dass Deutschland und seine Verbündeten auf dem Rückzug aus Afghanistan mit Karsai zu wesentlich erfreulicheren Ergebnissen gelangen werden. Als Wahlfälscher und Schirmherr schlimmster Korruption hat er Glaubwürdigkeit verspielt. Wie soll nun ausgerechnet er die innere Aussöhnung Afghanistans hinbekommen? Doch eine Alternative zu ihm fehlt. Zu spät dämmert im Westen, wie sehr es auf den Partner ankommt.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung