Neue OZ: Kommentar zu Arbeitsmarkt
Archivmeldung vom 29.05.2009
Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 29.05.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.
Freigeschaltet durch Thorsten SchmittDie nackte Zahl macht Hoffnung - 127000 Arbeitslose weniger als vor einem Monat. Doch die Statistik lügt. Schlimmer noch: Alle wissen es, und doch ändert niemand etwas daran.
Gleich mehrfach trickst die Arbeitsagentur. Immer wieder werden neue Gruppen aus der Quote geworfen: Erst waren es die Ein-Euro-Jobber, dann erhöhten die Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen die gewollte Dunkelziffer. Jüngstes Beispiel sind diejenigen, die sich private Arbeitsvermittler gesucht haben. Selbst das sicher hilfreiche Mittel Kurzarbeit hat den "angenehmen" Nebeneffekt, dass derzeit 1,1 Millionen Menschen zwar (auch auf Staatskosten) viel mehr Freizeit haben, nicht aber als arbeitslos gelten.
Dieses System des Verdrängens birgt eine große Gefahr. Denn man verliert schnell jemanden aus den Augen, der nicht mehr in der Statistik auftaucht. Das gilt für die Politiker, aber auch für die Wähler. Da aber mit der Zahl der Arbeitslosen auch Wahlkampf gemacht werden kann, wird und soll, muss die ungefilterte Wahrheit auf den Tisch. Und die lautet: Je nach Lesart verdoppelt sich die Zahl sogar auf mehr als acht Millionen. Eine bittere Wahrheit - aber gerade deshalb eine, die niemand verschweigen sollte.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung