WAZ: Zur Lage der SPD
Archivmeldung vom 18.01.2010
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Freigeschaltet durch Thorsten SchmittUngewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Mittel. Die SPD will sich neu erfinden, ihre Mitglieder anhören und beteiligen wie wohl nie zuvor. Zyniker mögen einwenden, so dreckig müsse es der neuen Führung um Sigmar Gabriel gehen. Richtig daran ist, dass dieser Vorsitzende "das Produkt einer tiefen Krise der SPD" (Gabriel über Gabriel) ist.
Wer das basisdemokratische Angebot ernst nimmt, sollte eine Frage jetzt nicht stellen: Wie kommt die SPD wieder hoch? Die Anhörung und Beteiligung der Basis ist entweder offen - und damit das Gegenteil von fertigen Konzepten -, oder sie ist bloß eine Augenwischerei.
Wenn es ehrlich gemeint ist, wird der Prozess Zeit kosten, dazu Geduld und Bereitschaft zum Zuhören, und er wird spannend, ja unberechenbar verlaufen. Eine Schussfahrt ins Ungewisse? Sagen wir es mal so: Wenn es ans Eingemachte geht - Hartz IV, Rente mit 67 - wird Gabriel gefordert sein. Die SPD ist nicht im Zustand der Unschuld. Der totale Bruch mit der Ära Schröder würde sie zerreißen. Gabriel steht vor der Herausforderung seines Lebens. Dass er spalten kann, wissen wir. Nun muss er versöhnen.
Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung