Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Sudan
Archivmeldung vom 14.08.2008
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Freigeschaltet durch Thorsten SchmittWährend das Weltinteresse auf den Kaukasus gerichtet ist, hat die Bundesregierung das Mandat für zwei Friedensmissionen im Sudan mit leichter Hand um ein Jahr verlängert. Ähnlich dürfte es demnächst im Bundestag laufen.
Der Bundeswehreinsatz Deutschlands im größten und in jeder Beziehung heißesten Staat Afrikas ist wichtig und begrüßenswert. Er ist aber auch riskant und von wachsender Brisanz geprägt. Seit der Völkermord-Anklage des sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir im Mai muss mit allem gerechnet werden. Die nach 21 Jahren Bürgerkrieg dem Südsudan für 2011 in Aussicht gestellte Souveränität per Volksabstimmung wird immer weniger wahrscheinlich. Noch unsicherer ist die Lage in Darfur, wo seit 2003 mindestens 300 000 Zivilisten umkamen. Selbst ein Angriff nationalsudanischer Kämpfer - ob regulär oder als Reitermiliz - auf die UN-Friedensbewahrer ist nicht mehr auszuschließen. Auch immer wieder aufflammende Kämpfe an der Grenze zum Tschad verheißen nichts Gutes. Deutschland ist an diesem Brennpunkt derzeit nur mit 76 Soldaten vertreten. Das Mandat erlaubt jedoch ohne jede weitere Debatte den Einsatz von 325 Mann - sobald es knallt.
Quelle: Westfalen-Blatt