Neue OZ: Noch ein ruhmloses Kapitel
Archivmeldung vom 05.01.2011
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Freigeschaltet durch Thorsten SchmittAuch im vorläufig letzten Kapitel der Ölkatastrophe vor der Südküste bekleckert sich die US-Regierung nicht mit Ruhm. Sie gibt Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko wieder frei; die vor einem solchen Schritt versprochenen Untersuchungen lässt sie bleiben.
Als ob sich BP als Verursacher einer beispiellosen Umweltkatastrophe mit seinem Krisenmanagement nicht über Monate am Rande der Hilflosigkeit bewegt hätte. Als ob nicht spätestens damals offenbar geworden wäre, dass die Notfallvorkehrungen der Mitbewerber von BP keineswegs mehr Substanz aufwiesen.
Schwamm drüber, heißt es nun offenbar in Washington. Als Feigenblatt lässt Präsident Barack Obama verschärfte Sicherheitsvorschriften vorzeigen. Die greifen aber nur für neue Bohrprojekte.
Wenn überhaupt. Darf sich die Energiewirtschaft doch hinfort darin ermutigt wähnen, es mit der Vorsorge nicht zu übertreiben. Die Hinweise auf Zusatzkosten durch Zusatzuntersuchungen und die Drohung mit weiteren Arbeitsplatzverlusten haben - über die richtige Lobby in Washington eingespielt - offenkundig ausgereicht, die Folgen der Katastrophe vorschnell zu verdrängen.
Dabei sind die wirklich drastisch genug, um neue Maßstäbe einzuziehen. Um Unternehmen darauf zu verpflichten und Verbraucher daran zu erinnern: Der Hunger nach Energie rechtfertigt nicht jedes Risiko für Mensch und Tier. An dieser Führungsaufgabe ist Obama gescheitert.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung