Ostsee-Zeitung: Zum Tod des polnischen Präsidenten
Archivmeldung vom 12.04.2010
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Freigeschaltet durch Thorsten SchmittTragisch sind die Ereignisse aber auch in politischer Hinsicht. Zum einen begann sich das Verhältnis von Polen und Russen - die Regierungschefs Tusk und Putin reichten sich erst vergangene Woche über den Gräbern von Katyn die Hände - zu entspannen. Zum anderen hatte die nationalkonservative Opposition neben Präsident Kaczynski viele weitere Spitzenpolitiker an Bord der Unglücksmaschine. Das Unglück wird zur Herausforderung für die polnische Demokratie.
Polens politische Elite steht nun vor einer echten Bewährungsprobe. Die beiden Lager - die Nationalkonservativen des ums Leben gekommenen Präsidenten und die Liberalen hinter Premier Tusk - standen sich bislang auch menschlich so unversöhnlich gegenüber, dass beide Politiker nicht zusammen nach Katyn reisen wollten. Und bis zu den Neuwahlen muss nun ausgerechnet ein Liberaler, Parlamentspräsident Komorowski, die Geschäfte des Staatsoberhaupts führen. Es gerät also viel durcheinander in der sensiblen Machtbalance Polens.
Bislang sind die Polen nach Tragödien als Nation enger zusammengerückt. Das werden sie auch jetzt tun. Das Gute ist, dass ihnen kein Nachbar mehr feindlich gegenüber steht - im Gegenteil. So können sich die Polen auf ihre eigene Kraft besinnen.
Quelle: Ostsee-Zeitung