Rheinische Post: Kinder-Englisch
Archivmeldung vom 12.08.2008
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Freigeschaltet durch Thorsten SchmittDas Kapitel "Englisch in der Grundschule" ist ein Musterbeispiel dafür, wie überzogene Hoffnungen Schule machen. Die Hoffnung: Kinder lernen spielend Sprachen. Das stimmt ja auch - wenn ein deutsches Kind in England lebt, dort in einen Kindergarten geht und, zack!, nach ein paar Monaten Englisch babbelt wie Nachbars John.
Nur - unter deutschen Grundschulbedingungen sind die Erträge eben sehr viel bescheidener. Am Ende der Globalisierungsbesoffenheit - Kinder müssen immer früher für die große weite Welt zugerichtet werden - steht Ernüchterung: ein paar Worte, Sätze, Liedchen und keine Angst mehr vor Englisch. Dafür sind 3600 Lehrer fortgebildet worden, dafür werden nun vier Jahre lang zwei Wochenstunden reserviert. Man darf schon fragen, ob diese Ressourcen gut angelegt sind. Ob es gut war, ein neues Fass aufzumachen, statt unseren Kindern gründlicher das für alle Kultur elementare Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Die Konsequenz für die Zukunft könnte lauten: Schulpolitische Anstrengungen sollten auf Kernkompetenzen konzentriert werden, eben darauf, was Unterricht realistisch erreichen kann. Mehr Ruhe, mehr Augenmaß: Schulpolitik könnte ein wenig Entschleunigung vertragen.
Quelle: Rheinische Post