Regierungsbildung: DUH fürchtet "Generalangriff" auf Klimaschutz

Bild: Eigenes Werk /OTT
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bewertet die Zwischenergebnisse aus den Koalitionsverhandlungen als Generalangriff auf den Klimaschutz. Die Umweltschützer gehen davon aus, dass der Vorschlag der Union, Emissionsminderungen aus anderen Ländern mit den Klimazielen zu verrechnen, das Klimaschutzgesetz de facto aushebeln würde.
"Die Öffnung des Klimaschutzgesetzes für internationale
Kompensationsgeschäfte würde den Klimaschutz in Deutschland
untergraben", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner am
Donnerstag. "Wir fordern insbesondere die SPD auf, diesen Vorschlag zu
streichen."
Müller-Kraenner kritisierte zudem, dass die
wahrscheinlich nächste Koalition vermehrt auf klimaschädliches Gas
setzen will. "Neue überdimensionierte Gaskraftwerke, Gasförderung in
Deutschland und zusätzliche internationale Gaslieferverträge ebnen den
Weg in eine Zukunft, in der wir weiter von fossilen Energien abhängig
sind", bemängelte er. "Methan, das zweitwichtigste Treibhausgas nach
CO2, das vor allem kurzfristig deutlich klimaschädlicher ist, kommt in
den Zwischenergebnissen bislang überhaupt nicht vor. Hier müssen die
Verhandler dringend nachbessern und konkrete Minderungsziele und
Maßnahmen zur Methanreduktion in Aussicht stellen."
DUH-Bundesgeschäftsführer
Jürgen Resch fürchtet, dass durch die schwarz-roten Pläne Bus und Bahn
wieder teurer gemacht werden, während das Fliegen und Autofahren
billiger gemacht werden. "Daran wird deutlich, für wen die Koalition
Politik macht und für wen nicht", sagte er. "So sollen
luftverkehrsspezifische Steuern, Gebühren und Abgaben gesenkt werden;
die Pendlerpauschale soll erhöht werden und klimaschädliche
Plug-In-Hybride sollen gefördert werden. Statt Einnahmen aus der Maut
wie bislang in die Schiene zu stecken, sollen sie nur noch für die
Straße investiert werden. Auch das Deutschlandticket soll Jahr für Jahr
teurer werden."
Die einzige Maßnahme aus den Zwischenergebnissen,
die wesentlich zum Klimaschutz im Verkehrsbereich beitragen könne, sei
das Tempolimit. "Hier muss sich die SPD durchsetzen, andernfalls setzen
wir das Tempolimit mit unseren Klimaklagen durch", sagte Resch.
DUH-Bundesgeschäftsführerin
Barbara Metz fürchtet zudem Rückschritte im Gebäudesektor, in dem in
den vergangenen Jahren die Klimaziele stets verfehlt wurden. Der Streit
um das Gebäudeenergiegesetz lasse einen Rückschritt für die Verbraucher
befürchten, sagte Metz. "Die Union möchte das Gesetz abschaffen, die SPD
möchte es novellieren. Wir fordern eine klare Strategie von Union und
SPD, die den Energieverbrauch in Gebäuden senkt, CO2-Emissionen
minimiert und gleichzeitig bezahlbare Lösungen für Haushalte bietet."
Quelle: dts Nachrichtenagentur