Mangelernährt und unterversorgt Schwerer Start ins Leben für Babys im Gazastreifen
Seit über einem Monat gelangen keine Hilfsgüter mehr in den Gazastreifen. Gravierende Folgen hat das unter anderem für Schwangere und stillende Frauen sowie ihre Babys. Etwa 130 Kinder kommen im Gazastreifen jeden Tag zur Welt, während Medizin- und Lebensmittelvorräte zur Neige gehen.
Im Gazastreifen leben rund 50.000 Schwangere, von denen im März schätzungsweise 4.000 entbunden haben. Eine Mangelernährung der Mutter während der Schwangerschaft kann bei Kindern zu einem niedrigen Geburtsgewicht, Wachstumsstörungen sowie langfristigen Lern- und Entwicklungsschwierigkeiten führen. Auch die Zahl der Fehlgeburten ist einem UN-Bericht von 2024 zufolge während des Krieges um rund 300 Prozent gestiegen.
"In den mobilen Kliniken von Save the Children haben wir während der Waffenruhe fast 4.000 Kinder wegen Mangelernährung behandelt, viele von ihnen Babys, hineingeboren in den Krieg, in den Hunger", sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland. "Der Stopp der Hilfslieferungen hat verheerende Konsequenzen für sie. Weder Kinder noch Mütter bekommen ausreichend Nährstoffe - mit schwerwiegenden Folgen für ihre gesamte spätere Entwicklung. Auch intensivmedizinische Versorgung ist in den wenigen funktionsfähigen Klinken im Gazastreifen kaum noch möglich. Komplikationen bei der Geburt können für Mutter und Kind tödlich enden. Krankenhäuser werden bombardiert, dringend benötigte Medikamente wie Antibiotika, aber auch Inkubatoren und Beatmungsgeräte stecken an der Grenze fest, hören wir von Mediziner*innen."
Junge Mütter berichteten Save the Children, dass sie in Zelten entbinden mussten, weil Krankenhäuser voll belegt oder nicht rechtzeitig erreichbar waren. "Ich hatte nach der Geburt Blutungen, und als ich es endlich ins Krankenhaus schaffte, sagten mir die Ärzte, dass ich zwischen Leben und Tod schwebe. Ich brauchte sieben Liter Blut", berichtet Meriem* (31). Auch die Tochter von Fatima* (30) kam untergewichtig in einem Zelt zur Welt und konnte nicht angemessen versorgt werden: "Mein Mann stapelte leere Kisten aufeinander und wir legten sie hinein, damit sie nicht auf dem Boden schlafen musste. Sie ist winzig im Vergleich zu meinen anderen Kindern, als sie geboren wurden."
"Kinder und ihre Mütter haben das Recht auf eine gute Gesundheitsversorgung. Um dieses Recht zu gewährleisten, müssen dringend wieder Hilfsgüter in den Gazastreifen gelangen, und Helfende müssen ungehinderten und vor allem sicheren Zugang zu den Menschen erhalten", fordert Florian Westphal.
Save the Children leistet Nothilfe im Gazastreifen und betreibt unter anderem zwei mobile Kliniken sowie sichere Räume für Schwangere und stillende Frauen und Kleinkinder. In zehn sogenannten Mutter-Kind-Zonen in Deir al-Balah und Chan Yunis können Frauen mit Ernährungsberater*innen sprechen. Einige der Einrichtungen mussten mangels Sicherheitsgarantien für humanitäre Helfer*innen aber vorübergehend schließen. Die Kinderrechtsorganisation ist seit 1973 dauerhaft in den besetzten Palästinensischen Gebieten aktiv.
* Name zum Schutz geändert
Quelle: Save the Children Deutschland e.V. (ots)