Grüne sehen wichtige Fragen zu Münchner Anschlag ungeklärt
Nach der Sondersitzung des Innenausschusses im Bundestag sehen die Grünen entscheidende Fragen bei der Aufklärung des Attentats in München noch unbeantwortet. "Die Sicherheitsbehörden haben heute wenig Neues präsentiert. Es gibt Verdachtsmomente für ein islamistisches Motiv, aber vieles liegt auch noch im Dunkeln beziehungsweise bleibt unschlüssig", sagte der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz der "Rheinischen Post".
"Wo und wie eine Radikalisierung erfolgt ist, ob es einen konkreten
Anlass für die entsetzliche Tat gab oder ob es irgendwelche familiären,
persönlichen oder andere Anknüpfungspunkte in die islamistische Welt
gab, konnte bisher nicht beantwortet werden", so der
Grünen-Fraktionsvize.
"Bei der auffälligen Häufung dieser
entsetzlichen Taten unmittelbar vor der Bundestagswahl müssen die
Sicherheitsbehörden mit Blick auf die Motivlage des mutmaßlichen Täters
und die genauen Hintergründe der Tat weiterhin einen breiten
Ermittlungsansatz verfolgen." Auch die Tätigkeit des Tatverdächtigen bei
einer Sicherheitsfirma werfe weiterhin Fragen auf, denen die
Ermittlungsbehörden weiter mit Hochdruck nachgehen müssten.
Die
SPD forderte unterdessen "praktikable Lösungen", um Attentate wie in
München künftig zu verhindern. "Es ist klar: Eine hundertprozentige
Sicherheit kann es in unserem freiheitlichen System nicht geben - aber
was können wir tun, um solch schreckliche Taten wo möglich zu
verhindern?", sagte der stellvertretende Vorsitzende des
Innenausschusses, Lars Castellucci (SPD), der "Rheinischen Post". "Hier
müssen wir über tatsächlich praktikable Lösungen sprechen, etwa über
eine Stärkung der Sicherheitsbehörden, eine Verbesserung unserer
polizeilichen Schutzkonzepte bei Veranstaltungen, aber insbesondere auch
über die Prävention von Extremismus und Radikalisierung - vor Ort und
im Netz."
Er verteidigte den Zeitpunkt der Sondersitzung, an dem
es zuvor Kritik gegeben hatte wegen der Nähe zur Bundestagswahl und
mangelnder Erkenntnisse über die Hintergründe der Tat von München. "Es
war absolut richtig, dass der Innenausschuss des Deutschen Bundestages
schon heute und unter Einbeziehung aller zuständigen Behörden
konstruktiv mit der politischen Aufarbeitung der schrecklichen Tat von
München begonnen hat", so Castellucci.
Klar sei, dass zu diesem
Zeitpunkt viele Fragen noch nicht abschließend beantwortet werden
könnten, insbesondere, wann und wie die Radikalisierung des zuvor
unauffälligen Täters stattgefunden habe. "Hier vertraue ich weiter auf
die gründliche Aufklärungsarbeit unserer Sicherheitsbehörden vor Ort.
Nichtsdestotrotz müssen wir auf politischer Ebene den Blick nach vorne
richten", so Castellucci weiter.
Bundesinnenministerin Nancy
Faeser (SPD) sagte unterdessen nach der Sondersitzung, dass das Leid der
Opfer von Magdeburg, Aschaffenburg und München "keinesfalls für
Stimmungsmache missbraucht werden" dürfe. "Die 25 Millionen Menschen in
unserem Land, die ausländische Wurzeln haben, sind ein fester und
wertvoller Teil unserer Gesellschaft. Niemand darf unter Generalverdacht
gestellt werden", sagte sie. Der Attentäter von München müsse aber "mit
der maximalen Härte des Rechtsstaats rechnen". So müsse der Rechtsstaat
mit Tätern schwerer Gewalttaten umgehen. "Das heißt: höchstmögliche
Strafen und die Abschiebung direkt aus der Haft", so Faeser.
Quelle: dts Nachrichtenagentur